Ob alt, ob jung, ob berufstätig oder arbeitslos: wenn man 425 Millionen Euro auf alle Österreicher aufteilen würde, bekäme jeder 53 Euro bar auf die Hand. Die unvorstellbare Summe von 425 Millionen Euro hat ja meine Hausbank Bawag in den Sand gesetzt, indem sie dem amerikanischen Rohstoffhändler Refco mit einem Kredit zur Seite stand. Und das bereits nachdem der Refco-Vorsitzende Bennet bereits Hausverbot hatte (womit der Untergang von Refco besiegelt war).
Womit wieder einmal bewiesen wäre: man muß nur genügend Chuzpe haben, und gleich ordentliche Summen bei einer Bank als Kredit einfordern. Will man sich als Kleinfirma 100.000 Euro leihen, so muß man diese Summe doppelt besichern, am besten mit Immobilien oder Gold - ja nicht mit Aktien, weil diese könnten ja an Wert verlieren. Ein wenig Enddarmakrobatik beim Riskmanager kann auch nicht schaden, weiters eine Komplettuntersuchung bei drei Vertrauensärzten. Die nächste Steigerungsstufe wäre, wenn man seine Seele schriftlich an die Bank verpfänden müsste.
Ein Großkonzern besichert 425 Millionen mit eigenen Aktien - und man überweist schon einen Tag später die vollständige Summe. So simpel kanns gehen, wenn man als Kreditkunde den nötigen Mut (und ein paar -noch - wertvolle Aktien) besitzt.
Aber die Bawag wird das Geld schnell wieder hereinbekommen - man wird einfach 1500 Häuslbauern wegen irgendwelcher Nichtigkeiten die Kredite fällig stellen und ist wieder im grünen Bereich. Fairness muß sein.
Die ganze Chronologie der Ereignisse gibts in gewohnter Qualität beim Standard.
Seit 1988 verteilte Herbert Hufnagl im Kurier in der gleichnamigen Kolumne seine "Kopfstücke" - ein Fixpunkt nicht nur in meiner Zeitungslektüre. Die feine Art, mit spitzer Feder die Schwachstellen im "Land der Koffer" aufzudecken, haben einst auch mich dazu bewegt, mich schreiberisch zu betätigen, wissend, daß ich diese Virtuosität im Umgang mit Worten wohl kaum jemals erreichen würde.
Herbert Hufnagl verstarb in der Nacht auf Samstag im 60. Lebensjahr. Er wird mir fehlen.
Wenn eine Firma um teures Geld ein Produkt entwickelt hat, das keiner kauft, gibt es im Prinzip nur eine Möglichkeit: die Firma nach einiger Zeit aus Geldmangel zusperren. Wir sprechen aber von der Pharma-Industrie, wo ja selten Geldmangel herrscht. Daher eröffnet sich eine zweite Möglichkeit: Bedarf schaffen. Genau das passiert momentan mit dem Grippemittel Tamiflu - es wird als einzige Hilfe bei Vogelgrippe kolportiert. Und schon hat man weltweit Großabnehmer: Österreich etwa verhandelt schon mit dem Hersteller, um zwei Millionen Einwohner damit versorgen zu können. Es wird von offiziellen Stellen jedoch davon abgeraten, sich selbst was von dem Zeug als Vorrat auf Lager zu legen. Offenbar hofft man da noch auf unweigerliche Preissteigerungen, sollte das Virus tatsächlich zuschlagen. Dann kann man ja noch mehr Profit einstreifen.
Übrigens: Wer Labors hat, um ein Grippemittel zu entwickeln und herzustellen, hat möglicherweise ja auch die Mittel, um den dazupassenden Virus zu basteln und weltweit ein bissi Pressearbeit zu verrichten. Ein Schelm, wer Böses denkt...
Kaum bin ich wieder zurück in Österreich, holt mich das Realkabarett in diesem Land ein:
Um kolportierte 1,3 Millionen Euro startete letztens die Infokampagne "Zukunft soziales Österreich" des Sozialministeriums. Erster Schönheitsfehler: die Kampagne baut zufällig auf den Parteifarben des BZÖ auf (dem Sozialministerin Haubner angehört) und trägt zufällig zwei Drittel des BZÖ-Wortlautes im Namen.
Zweiter Schönheitsfehler der aktuellen Reihe an Werbespots zum Thema Kinderbetreuungsgeld: viele Familien mit Kindern werden sich eher verarscht vorkommen. Kernaussage des Spots, der im Jahr 2011 spielt:
"Seit es 436 Euro Kinderbetreuungsgeld gibt und Mütter dazuverdienen dürfen, ist es vom Kinderwunsch zum Wunschkind nur mehr ein kleiner Schritt"
Offenbar muß unsere Sozialministerin weder Miete zahlen, noch hat sie sich je erkundigt, was denn ein Kindergartenplatz kostet (den man brauchen wird, wenn man in der Karenz dazuverdienen will) - wenn man überhaupt einen Platz bekommt. Diese beiden Posten fressen bereits heute bei nur einem einzigen Kind im Normalfall mindestens die 436 Euro auf (die im Jahr 2011 mit Sicherheit aber kaum die Hälfte von heute wert sein werden). Wir haben aber noch kein Essen, keine Windeln, kein Auto, kein Strom, kein Gas, kein Wasser bezahlt. Die Realität schaut leider anders aus: alleinerziehende Mütter werden sich mit 436 Euronen monatlich eher schwer tun. Und auch Paare, bei denen der Partner nicht toll verdient, können sich in Zeiten wie diesen einen Kinderwunsch eher abschminken. Schon mal im Supermarkt gewesen und versucht, um 436 Euro für einen Monat Lebensmittel einzukaufen, Frau Haubner?
Bei all diesen Mankos der Werbung ist es nur mehr Formsache, daß auch der Alltag im Fernsehspot nicht stattfindet wie gezeigt: ich kenne keine Mutter von 5 Kindern, die gemütlich im perfekt geputzten Heim herumsitzt und Zeitung liest.
Sorry, Frau Haubner: voll daneben. Übrigens: 1,3 Millionen Euro entsprechen 54 Kindergartenplätzen für je ein Jahr oder auch mehr als 5 Millionen Stück Babywindeln. Möglicherweise wäre damit den Betroffenen mehr geholfen gewesen.
Ich melde mich gesund und braungebrannt aus dem heuer letzten Urlaub zurück. Gleich Montags ging anlässlich der Eröffnung ein nettes neues Projekt online: www.drivetraining.at auf Basis eines selbstgescripteten Admin-Backends und Smarty als Template-Engine (unglaublich geniales Teil übrigens, fällt mir immer wieder auf).
Weiters gibts neue Panoramen in den Referenzen, teils hochaktuell vom letzten Segeltörn. Und wo ich schon mal dabei war, bekamen auch die anderen eine Runderneuerung in Form eines neuen Viewers und vernünftiger Größe verpasst.
More to come - der Herbst ist noch lang.