Gute Urteilsfähigkeit beruht auf einer Menge Erfahrung. Und diese beruht auf schlechter Urteilsfähigkeit.

Sie sehen derzeit alle Beiträge vom
Oktober 2009

 

  • Mittwoch
  • 28.Oktober 2009

.de-Domaingrabbing: Story schon am Sonntag hier, heute bei heise.de

Leser meines Weblogs sind manchmal schneller informiert als anderswo. Bereits am Sonntag sind mir weitere Ungereimtheiten bei der Vergabe der deutschen Kurzdomains mit nur zwei Stellen aufgefallen. Denn auffallend viele der neuen Domaineinträge gehören "Firmen", die offenbar ausschließlich zum Zweck gegründet wurden, eine .de-Domain anzumelden. Seltsamerweise haben alle diese Firmen dieselbe Firmenadresse in 33755 Clearwater, USA und denselben technischen Ansprechpartner in Deutschland - die Firma Tec Media Service. Die Adresse für diese 193 Firmen ist ein 80-Quadratmeter-Appartment, wie ich bereits ebenfalls für meinem Artikel herausgefunden hatte - ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Heute kam die Story bei heise.de unter dem Titel ".de-Kurzdomains in die USA abgezogen". Unter anderem heisst es dort:

Die Registrierungen für die vom Dienstleister Bionic/Tec-Media-Service/Hexonet registrierten 193 Kurzdomains wurden inzwischen in die USA abgezogen, und zwar nach 625 Keene Road, Clearwater, Florida. Die rund 200 Domaininhaber, allesamt frisch eingetragene Briefkastenfirmen mit klangvollen Namen wie BJ Oral Diseases Incorporated bis zu QI Quadruple Investments International Incorporated, dürften wohl bald ihr einziges Asset, die zugehörige bj- oder qi-Domain, wieder auf den Markt bringen.

All das wussten meine Leser bereits vor drei Tagen. Ich weiß, das ist kindisch, aber mich freut das trotzdem, wenn ich schneller als heise.de bin :-)

Tags: , , , , , , , , ,

  • Sonntag
  • 25.Oktober 2009

Jack Wolfskin hat nix verstanden

Am Freitag hat Jack Wolfskin eine Pressemitteilung (PDF) herausgegeben, mit der das Unternehmen in der Causa der aktuellen Abmahnungen zurückrudert. Und mit der Wortwahl zeigt, dass JW trotzdem nicht verstanden hat, worum es eigentlich ging und noch immer geht. Die ganze Geschichte gibts drüben beim Werbeblogger. Der Kommentar von "Kretin" ebendort bringts auf den Punkt:

Zitat von Manfred Hell: “An der großen Emotionalität, mit der die Debatte geführt wurde, sehen wir, wie hoch die Erwartungshaltung an uns ist. Dem wollen wir gerecht werden. Wir haben uns der Kritik gestellt, unser Vorgehen kritisch durchleuchtet und werden in Zukunft sensibler agieren.”

Übersetzung:

Wir hatten nicht damit gerechnet, daß es zu einem solchen Aufstand kommt, weil wir das schließlich seit Jahren so machen. Bisher sind wir damit noch immer durchgekommen. Ärgerlich nur, daß die Leute, die uns unser Image als ehrliche Naturburschen (und unser Zeug) bisher abgekauft haben, jetzt mitbekommen haben, daß wir den Raubtierkapitalismus neu definiert haben. Bevor das Desaster für uns jetzt noch größere Ausmaße annimmt, fressen wir etwas Kreide und hoffen, daß sich die Wogen bis zum Weihnachtsgeschäft noch glätten lassen. Wir werden versuchen, uns in Zukunft nicht wieder erwischen zu lassen.

Traurig - auch weil JW offenbar seit Jahren abmahnt und sich weiterhin im Recht wähnt, aber gerade mal die aktuellen Fälle nix bezahlen müssen. Hoffentlich findet sich ein auf Markenrecht spezialisierter Anwalt, der Jack Wolfskin das Fell über die Ohren zieht. Eine Wolfstatze als Markenzeichen hätte nach gesundem Menschenverstand nie als Marke eingetragen werden dürfen - JW hat es sogar geschafft, die Tatze ALLEINE (also ohne Schriftzug) schützen zu lassen (siehe Schnellsuche nach "Jack Wolfskin" beim deutschen Patentamt). Schmeißt diesen Missbrauch des Markenrechts aus dem Register, liebe deutsche Freunde!

Bis dahin wird von mir und meinem Umfeld weiterhin nix gekauft, was von JW kommt - mögen es mir viele Leser gleichtun. Den gierigen Wolf trifft man nur dort, wo es wehtut, und das ist beim Umsatz.

Tags: , , , , , , , ,

Deutsche Kurzdomains: Grabbing? NIIIEEMALS ;-)

Seit Freitag darf man in Deutschland auch ein- und zweistellige Domainnamen sowie Domainnamen, die nur aus Ziffern bestehen, registrieren (bisher war die Mindestlänge 3 Zeichen, Domainnamen ausschließlich aus Ziffern waren überhaupt nicht erlaubt, egal in welcher Länge). Wie zu erwarten war, sind bereits alle ein- und zweistelligen Buchstabendomains vergeben. Es ist eine Liste aufgetaucht, in der angeblich die Inhaber all dieser Domains zusammengestellt sind (was sich als unrichtig herausgestellt hat).

Beim ersten Blick auf diese Liste dachte ich: "Wer bitte ist Thomas Mueller?", der bei immerhin 193 der 702 gelisteten Domains dabeisteht und damit weit öfter vorkommt als andere Namen in dieser Liste. Etwas Recherche bei denic.de hat dann gezeigt, dass es sich bei den in der Liste angeführten Personen, also auch bei Thomas Mueller "nur" um die technischen Ansprechpartner der Domains handelt, in seinem Fall in Form der Firma Tec Media Service. Seltsam jedoch: wenn man einige der dieser Firma zugeordneten Domaineinträge durchgeht (etwa tu.de, to.de, tq.de, ei.de, zn.de), so zeigt sich, dass die eingetragenen Besitzer jeweils Firmen mit derselben Adresse in 33755 Clearwater in den USA sind. Nur der Firmenname unterscheidet sich jeweils zur Domain passend (so gehört tu.de einer "TU Trumpets United Manufacturers Corp", die Domain ei.de der "EI Experience India Travel Agency Corporation" und to.de ging an die "TO Travel Organization Corporation", ebenfalls mit derselben Firmenadresse). Und jede Wette, an dieser Adresse wohnen auch noch eine Menge andere Firmen, die eine zweistellige Domain bekommen haben.
Müsste ein großes Firmengebäude sein, dass in Clearwater in 625 Keene RD N steht, das Platz für so viele Firmen bietet, die alle in Deutschland geschäftlich zu tun haben und daher dort eine Domain brauchen. Es könnte natürlich auch schlichtes Domaingrabbing mit anschließender Versteigerung an den Meistbietenden sein. Da es sich bei der angegebenen Adresse aber offenbar um ein 85-Quadratmeter-Appartment im Wert von grade mal 75.000 US$ handelt, spricht viel für diese Theorie. But - who knows...

Auch sonst dürfte bei der Vergabe der Kurz-Domains nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Das Webwork-Magazin spricht von "Lug und Betrug bei der Domainvergabe" und auf focus.de gibts ebenfalls Hintergründe zur diesmal mehr als seltsamen Vergabepraxis zu lesen. Es wurden nämlich auch schon vorab Domainnamen einfach von der öffentlichen Vergabe ausgeschlossen und gesperrt, teils auf Betreiben der denic selbst, teils aufgrund von markenrechtlichen Verfügungen. Dominik Muellers Artikel zum Thema hatte die passende Überschrift: "28% of one- & two-letter .DE domains grabbed by one company".

Würde mich nicht wundern, wenn die denic da noch nachträglich Erklärungen abgeben wird müssen, warum die Vergabe derart stümperhaft und intransparent organisiert wurde. Sieht alles danach aus, als hätten sich da einige Wenige fett die Taschen füllen können.

Tags: , , , , , , ,

  • Dienstag
  • 20.Oktober 2009

Jack Wolfskin verschickt Abmahnungen an Bastler

Ich war mal eine PfoteJack-Wolfskin, Hersteller von Outdoor-Bekleidung, hat den eigenen Marketing-SuperGAU gestartet: es wird derzeit mit voller Härte auf Privatpersonen losgegangen, die auf dem Handarbeits-Portal Dawanda selbstgebastelte Handtaschen, Sticker und Ohrstecker verkaufen. Ohne Vorwarnung erhalten die betroffenen Personen kostenpflichtige Abmahnungen, weil sie es gewagt haben, dort Produkte anzubieten, auf denen Tatzen abgebildet sind und Jack Wolfskin dadurch sein Markenrecht verletzt sieht:

Die Tatze unserer Mandantin ist [..] markenrechtlich geschützt

Die Rechtsanwälte gehen dabei von Streitwerten zwischen 20.000 und 25.000 Euro aus, wodurch den Betroffenen jeweils Kosten zwischen 800 und 1000 Euro(!) auferlegt werden. Viel Geld für Verkäufer von Bastelwaren, Peanuts für Jack Wolfskin.
Dawanda hält sich aus dem Streit nobel heraus, wie im Forum zu lesen ist: die Verantwortung wird voll auf die User abgewälzt. Und für Jack Wolfskin könnte das zum Bumerang werden, denn mittlerweile haben dutzende News-Seiten über den Fall berichtet, etliche Blogger drüber geschrieben und hunderte Twitter-User die Geschichte verbreitet. Erfolg: bei der Suche bei Google nach dem Markennamen hat es der Artikel im Spiegel Online bereits auf den ersten Platz geschafft, weitere 5 Treffer auf der ersten Ergebnisseite führen zu Blog-Artikeln über den Fall. Selbst in den Wikipedia-Artikel über Jack Wolfskin hat der Rechtsstreit schon Aufnahme gefunden.

Hätte nicht ein freundliches Anschreiben auch gereicht? Weit übers Ziel geschossen, Jack Wolfskin. Bisher fand ich die Marke gut - ab sofort kauf ich sicher nix mehr mit Tatze drauf. Gibt genug andere Hersteller auch, die gute Outdoor-Bekleidung anbieten.
Außerdem hab ich 5 Katzen und zwei Hunde zu Hause, die auch Tatzen haben (und entsprechende Abdrücke hinterlassen). Wann kriegen die eine Abmahnung, Herr Rechtsanwalt?

Update 11:10 Uhr: beim Werbeblogger gibts einen treffenden Cartoon dazu. Ein Kommentator meinte dort:

Das Desaster geht tief, weil ein Stück des Markenkerns plötzlich wegbricht. JW verkauft ja auch ein Gefühl von “Freiheit und Abenteuer”, von Individualismus und hinaus ins Weite, wo es keine Bürokratie, keine Rechtsanwälte und keine Geldgier gibt, sondern die freie Natur. Und jetzt benehmen sie sich konzernhaft, unsensibel wie eine Dampfwalze, die durchs Naturschutzgebiet rollt.

Es ist mittlerweile auch eine Stellungnahme von JW aufgetaucht, die ebendort in vollem Wortlaut zu lesen ist und als PDF auch direkt von JW heruntergeladen werden kann. Unter anderem heisst es dort:

Die sich daraus ergebenen Kosten in Höhe von € 991,00 sind für einen Kleinunternehmer noch immer verhältnismäßig hoch, jedoch ist dieser für die Entstehung der Kosten verantwortlich, da er markenverletzende Ware verkauft hat und Jack Wolfskin dadurch zur Verteidigung der Marke gezwungen war. Dabei handelt es sich nicht um eine „Strafzahlung“, sondern um die Kosten, die Jack Wolfskin durch die Einschaltung der Anwälte entstanden sind und die im Falle der begründeten Abmahnung stets vom Markenverletzer übernommen werden müssen. Somit dient die Abmahnung auch einer schnellen und relativ kostengünstigen Beendigung der Angelegenheit. Sie verhindert also zusätzliche häufig weit höhere Kosten im Falle einer Einschaltung der Gerichte.

Nach wie vor: weit übers Ziel hinaus, mit Kanonen auf Spatzen gezielt. Mit etwas Gespür für die Lebenswelt von normalverdienenden Menschen hätte es wohl auch gereicht, nicht sofort einen Trupp Anwälte in die Weiten des Internet loszuschicken.

Update 13:30 Uhr: Lesenswert auch der etwas längere Artikel zum Thema auf trashfamous.de. Dort gibts auch kostenlos und lizenzfrei weitere Abmahnideen für JW ;-)

Update 13:50 Uhr: es entwickelt sich zu einer Marketing-Katastrophe für JW. Die Google-Suche nach "jack wolfskin", beschränkt auf die letzte Woche, liefert knapp 300.000 Treffer - und da ist bis mindestens zur Seite 25 keine positive Meldung oder Pressemitteilung dabei, weiter durchzuklicken hat mich die Lust verlassen. Auf Twitter hat sich die Nachricht auch wie ein Lauffeuer verbreitet. Die Tatzen haben sich auf dünnem Eis bewegt und eine Lawine losgetreten. Gratulation zur erfolgreichen Markendemontage vorm Weihnachtsgeschäft!

Tags: , , , , , , , , , ,

  • Mittwoch
  • 7.Oktober 2009

Netzfundstücke vom 7.10.2009

Meine neuesten Links auf delicious.com vom 7.10.2009

Tags: , , , , , , , , , , , , ,

  • Dienstag
  • 6.Oktober 2009

Netzfundstücke vom 6.10.2009

Meine neuesten Links auf delicious.com vom 6.10.2009:

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

  • Samstag
  • 3.Oktober 2009

Frisch gekocht mit Stermann & Grissemann

Es wundert mich, dass sich bisher noch niemand aus der Kabarett-Szene den beiden sehr seltsamen ORF-Fernsehköchen Andi & Alex gewidmet haben, die mit "Frisch gekocht" ein neues unteres Niveau für derlei Sendungen definiert haben. Ich hab jedenfalls beim ersten Mal, als ich die beiden im TV gesehen habe, tatsächlich geglaubt, es IST eine kabarettistische Abhandlung zum Thema.
Stermann & Grissemann haben im letzten "Willkommen Österreich" endlich eine Persiflage dieser Persiflage abgeliefert - ich fands herrlich:

Im Video-Archiv von "Willkommen Österreich" finden sich übrigens weitere Perlen - denn jede einzelne WÖ-Folge ist online abrufbar.

Tags: , , , , , , , ,

  • Freitag
  • 2.Oktober 2009

Nur mehr Buchstabengewirr im iTunes-Store?

Seit dem Update auf iTunes 9 konnte ich nix mehr im iTunes-Store einkaufen, denn alle fettgedruckten Texte waren plötzlich nur mehr Buchstabensalat (Screenshot). itunes_storeEine Anfrage beim Apple-Support war herzlich sinnlos, denn dort wusste man auch keinen Rat, außer iTunes zu deinstallieren und neu zu installieren (was ich natürlich schon hinter mich gebracht hatte). Und man meint, um "wertvolle Tips und Tricks zur Fehlerbeseitigung zu erhalten, durchstöbern Sie die große Auswahl von technischen Artikeln unter ..." - leider waren die Tipps dort für das Shop-Problem eher wertLOS, weil in der Wissensdatenbank dieses Problem schlicht nicht genannt wird. Ich tippte auf ein Problem mit der verwendeten Schriftart, wusste jedoch nicht, wie ich es lösen sollte (weil ich auch nicht sicher wusste, welche Schriftart im Shop eingesetzt wird).
Ein Eintrag im englischen Apple-Forum hat mich schließlich auf die richtige Spur gebracht, denn ich dürfte nicht der einzige mit diesem Problem sein: offenbar werden gemeinsam mit iTunes die nötigen Schriftarten mit installiert, sofern sie sich noch nicht auf dem System befinden. Dabei landet eine uralte Type-1-Version der Schriftart Helvetica auf dem Rechner. Diese wird dann auch im Shop verwendet und ergibt den Effekt, dass alle Zeichen genau um eine Stelle versetzt angezeigt werden. Ich habe nun in der Systemsteuerung unter Schriftarten alle diese Type-1-Helvetica-Varianten deinstalliert - und prompt geht der Shop wieder einwandfrei. Wenn man nicht gerade Grafiker ist und die Schrift zur täglichen Arbeit braucht, so hat das keine weiteren Konsequenzen. Und wenn doch - Schrift als OpenType oder Truetype-Font organisieren und neu installieren.

Tags: , , , , , , , , , , ,

 

© 2008 EGM Werbegrafik ● Ernst G. Michalek ● A-1220 Wien, Reclamgasse 13 ● Tel. +43 (0)699 / 120 15 308 ● E-Mail:www@egm.at ● Impressum