Fertig :-)

Schon das Einschalten ist ein Erlebnis: KLACK – mit weitem Tastenhub schaltet der Hauptschalter durch, die Skala ist hell und der Radio erwacht unter leisem Brummen langsam zum Leben. Wenn der Sender gut eingestellt ist, glimmt die Abstimmröhre in sattem Grün und bald darauf tönt mit unvergleichlichem Klang Musik aus dem Holzgehäuse.  Röhrenradios hab ich schon als Kind geliebt. Meine erste eigene Musikquelle in meinem Kinderzimmer war ebenso ein Röhrengerät, ein Hornyphon Attaché 60 von 1959, der ein Erbstück von einer verstorbenen Großtante gewesen war. Einige Jahre beschallte das Gerät meine Kindheit und schlummert seit nunmehr gut 30 Jahren im Keller auf einem Regal.

Eigentlich schade drum – warum darf der alte Hornyphon nicht wieder Musik aus seiner Zeit abspielen und Freude bereiten? MP3? Vielleicht sogar Bluetooth? Beleuchtung? Das wäre doch ein wunderbares Projekt für den #34C3… :-)

Das Ergebnis sei vorweggenommen: er funktioniert, leuchtet, spielt Musik der 1950er und 60er und ist am #34C3 in Leipzig beim Assembly Aaaaaaaaaaaa zu besichtigen. Es hat etwa 50 Stunden gedauert, das Projekt zu vollenden. Sprecht mich an, fragt mich…ich freu mich!
Und wer ihn fürs Wohnzimmer haben will: macht mir ein sinnvolles Angebot :-)

Im ehemaligen Partyraum lagern etwa 10 Röhrenradios in verschiedenen Erhaltungszuständen. Die Wahl fiel instinktiv auf den Hornyphon – „den hatte ich als Jugendlicher im Zimmer stehen, der müsste noch funktionieren“ – jedoch kurz nachgerechnet war das Teil 32 Jahre nicht in Betrieb. Ups. Völlig verschätzt.

Nach gründlicher Innenreinigung mit Pressluft und Kontakt 60 sowie der Umstellung des Trafos von 220V auf 240V die große Freude: nach kurzer Anwärmzeit klingt Radio Wien durch die Werkstatt. Gottseidank – denn es wäre zwar leicht gewesen, die Innereien zu entfernen und durch China-Elektronik zu ersetzen. Ich wollte jedoch den orginalen Verstärker- und Radioteil beibehalten und durch einen MP3-Player ergänzen, den ich mit Musik aus den 1950er- und 60er-Jahren füttern kann. Eine Fernbedienung wäre fein, weiters Bedientasten, die das Gesamtbild nicht stören. Und schließlich solls ein CCC-Projekt werden, das Ding muss also mindestens leuchten…

Also ans Werk. Zur Vorbereitung organisiere ich mir erstmal einen Schaltplan. An dieser Stelle danke den hilfreichen Menschen von Radiomuseum.org, wo man wirklich für jeden meiner Radios einen Schaltplan finden kann. Nach ausgiebigem Studium und einigen Messungen im Gerät war klar – ich würde ein Netzteil für 5V oder besser 12V Gleichspannung brauchen, um meine Einbauten zu betreiben. Die Versorgungsspannung dafür kann man am Hauptschalter abnehmen, sodass das zweite Netzteil erst Saft kriegt, wenn der Radio eingeschaltet wird. Zum Einsatz kam eine fertige Schaltnetzteilplatine, die jedoch nach kurzer Zeit den Geist aufgegeben hat und nur mehr 6V lieferte. Ärgerlich, aber mit €20 zu verschmerzen – ich habe sie gegen eine Netzteil-Blackbox ausgetauscht, die üblicherweise dafür gedacht ist, LED-Beleuchtungen zu befeuern und mit 12V/3A ausreichend Leistung liefern sollte.  Später kommt noch ein weiterer Schalter dazu, mit dem man das Radiochassis stromlos machen kann – so wird der Radio zum reinen Lichtspiel (was wiederum einen Tausch der orginalen Skalenbeleuchtung durch LED-Streifen in Warmweiß nötig macht) und die Röhren müssen am Kongress nicht 4 Tage durchgehend heizen. Mit einem 60 Jahre alten Auto würde man auch keine 4 Tage Vollgas fahren….

Hier der erste Versuchsaufbau mit einem MP3-Player-Baustein (VM202N) von Vellmann. Leider funktioniert das nicht ansatzweise, wie ich das gerne hätte: die Bedientasten funktionieren trotz ordnungsgemäßem Aufbau gar nicht (ein Problem, dass den Rezensionen gemäß offenbar nicht nur ich haben dürfte), damit scheidet diese Lösung schon mal aus.

Nach einiger Suche bin ich schließlich in einem obskuren Onlineshop auf einen kleinen MP3-Player für Wiedergabe von SD-Karten und USB-Sticks gestoßen, der sich gut für meine Zwecke eignen sollte. Der innere Aufbau des Players ist auch für lötende Grobmotoriker wie mich gut geeignet, um Kabel an Kontakte anzulöten und den Sensor für die Fernbedienung und die Kontroll-LED per Kabelverlängerung nach draußen zu verlegen. Ursprünglich hatte ich den Plan, die Bedientasten als Touch-Tasten auszuführen, hab dann aber davon abgesehen – die jetzige Lösung mit dem 4-Tasten-Feld rechts an der Seitenwand ist elegant, mechanisch robust und schaut gut aus. Die Kontroll-LED kommt unauffällig rechts in die Messingleiste an der Front, der Sensor für die Fernbedienung an unauffälliger Stelle hinter das Skalenglas.

Nach den ersten akustischen Testläufen wurde das komplette Chassis aus dem Gehäuse entfernt, um die Beleuchtung einzubauen. Netterweise hat dieser Radio einen durchleuchtbaren Kunststoffrahmen an der Front, der sich gut mit LED-Streifen hinterleuchten lässt. Die selbstklebenden Streifen haften jedoch am 60 Jahre alten Staub nur unzureichend und werden daher mit Heißkleber gesichert. An der Oberseite kommt ein Streifen blaue LEDs, die später den Innenraum erleuchten werden, den man durch die Rückwand ja sehen kann. Weiters wurde links in den Rahmen ein USB-Anschluss eingebaut, um ggf. auch an der Vorderseite Datenträger anstecken zu können. Dieser Anschluss stammt aus einem alten PC und wurde per Dremel passend gemacht, das Anschlusskabel in den Player eingelötet. Der Testlauf mit allen Komponenten verkabelt schaut noch etwas wüst aus, funktioniert jedoch.

Der erste Testlauf der zusammengekabelten LED-Streifen sieht bereits beeindruckend aus. Jedoch beschließe ich, die LEDs mit einem Arduino zu steuern – dimmen, blinken, irgendwas Nettes halt. Ich entwickle eine „Hauptplatine“, auf der alle Kabel der LEDs mit Strom versorgt werden, durch einfaches Umstecken entweder mit Dauerstrom oder über den Arduino. Zwei Potentiometer auf analoge Eingänge des Arduino sollen später das manuelle Dimmen der LEDs bzw. die Einstellung der Dimmgeschwindigkeit erlauben. Weiters ist ein Optokoppler verbaut, der beim Start des Radios den Player auf Pause schaltet. Der Player ist mittlerweile so ins Gehäuse an die Innenwand geleimt, dass die angesteckte SD-Karte nicht über die Hinterkante des Geräts ragt. Die Kabel zu den Tasten, zum USB-Anschluss und zur Kontroll-LED hängen noch etwas wild hinten aus dem Gehäuse des Players.

Die Hauptplatine im Versuchsaufbau am Steckbrett. Hier wird außerdem gerade das neue Netzteil eingeklebt. Alle zusätzlichen Einbauten wie Player, Netzteil, Arduino, Hauptplatine sind auf 5mm hohe Holzstreifen geschraubt, die ins Gehäuse eingeleimt werden. So ist der Einbau einfach, der Ausbau prinzipiell möglich und man schraubt keinesfalls durch das dünne Deckholz des Gehäuses.

Danach wird die Hauptplatine gelayoutet und auf einer Lochrasterplatine aufgebaut. Beim ersten Test grille ich einen Arduino, vermeintlich durch einen Fehler auf meiner Platine, der einen Kurzschluss verursacht. Es stellt sich jedoch heraus: ich hab schlicht übersehen, die analogen Eingänge im Programmcode korrekt als INPUT zu definieren, damit sie hochohmig werden. Anfängerfehler. Ich darf das, ich BIN Anfänger ;-)

Die Tasten rechts am Gehäuse sind recht einfach einzubauen: ein Schlitz für das Flachbandkabel reicht, das Panel ist selbstklebend und verdeckt den Schlitz wieder. Hatte geplant, die Tasten mit LEDs zu hinterleuchten. Es stellt sich jedoch heraus: die Folie ist nicht durchscheinend. 4 LEDs sinnlos eingelötet – egal. Die Tastatur wird ebenfalls mit der Hauptplatine verkabelt, wo auch die Tasten des Players und der Optokoppler angeschlossen sind.

Das Chassis ist nun (nach etlichem Herumgefrickel, weil viel Platz bleibt nicht mehr) wieder im Gehäuse, die Hauptplatine ebenfalls auf zwei Holzleisten geschraubt und innen an die Frontwand neben den Lautsprecher geleimt. Der Arduino ist ebenfalls schon unterhalb des Players eingebaut. So kann man später durch die Rückwand einen USB-Stecker anschließen, um ihn neu zu programmieren. Der Hauptschalter fürs Chassis ist in die Verstrebung oben im Gehäuse eingesetzt, denn dort ist eine Lücke in der Rückwand.

Abschließend wurden noch blaue LED-Streifen in den Deckel am Boden des Gehäuses eingebaut, die nach unten leuchten. Dadurch steht der Radio wie auf einer blauen Wolke. Die Bodenbeleuchtung hängt, wie die Innenbeleuchtung und die Skalenbeleuchtung an 12V und leuchtet stets in voller Stärke. Nur die rot/blaue Rahmenbeleuchtung wird vom Arduino zyklisch gedimmt.

Nach dem Kongress ist geplant, den Hornyphon noch mit einem Bluetooth-Modul aufzurüsten. Denn es wäre durchaus sexy, damit vom Smartphone aus Musik machen zu können.

Fertig :-)

Hier die vollständige Bildergalerie vom Aufbau:

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