6 Tipps für bessere Video-Konferenzen

Aus aktuellem Anlass hab ich die letzten Wochen viel Zeit in Videokonferenzen verbracht und viel dabei gelernt. Unter anderem hab ich mitgeholfen, die wöchentlichen Netzwerktreffen meines Unternehmernetzwerks BNI hier in Wien als Onlinemeetings weiterhin stattfinden können. Die besten Tipps hab ich hier für dich zusammengefasst:


1. Einstimmen

Vor jeder Videokonferenz versuche dich gedanklich drauf einzustellen, genau so wie man es ja auch vor einem Meeting im echten Leben machen würde. Dazu zählt etwa, dass du gut vorbereitet zum Meeting kommst. Hast du Notizblock & Stift parat und alle Unterlagen, die du für die Besprechung benötigst?

Achte darauf, dass du fürs Meeting einen Platz findest, wo du für die Dauer des Meetings ungestört bist und in Ruhe arbeiten kannst. Bereite dir schon vorab Kaffee und etwas zu trinken vor (und bitte nicht trinken oder essen, wenn das Mikrofon “offen”, also aktiv ist).

Prüfe vorab die Technik: vergewissere dich, dass Mikrofon und Kamera ordnungsgemäß funktionieren. Wenn du am Meeting mit einem Laptop teilnimmst, steck auf jeden Fall das Ladekabel an, damit dir bzw. deinem Computer nicht währenddessen der Saft ausgeht.

Obwohl du im Home-Office sitzt, handelt es sich bei einem Online-Meeting meist um einen Geschäftstermin. Vergiss das nicht und kleide & verhalte dich entsprechend.

2. Hintergrund

Gute Bilder und Videos unterscheiden sich von schlechten oft durch eine Sache: bei GUTEN ist nur das im Bild zu sehen, das der Fotograf oder Kameramann tatsächlich wollte, das zu sehen ist. Achte auf den Hintergrund deiner Webcam und überlege dir, ob es dem Gesamtbild entspricht, das du als Unternehmer vermitteln willst.

Zumindest im Bildausschnitt der Webcam sollte es ordentlich sein. Weder das zerwühlte Bett noch die verdreckte Küche haben da Platz. Auch Kabelsalat oder das Chaos am Schreibtisch haben im Kamerabild nichts verloren.

Wähle einen Platz, wo sichergestellt ist, dass keine Person durchs Kamerabild läuft oder laufen muss. Wenn im Hintergrund der nackte Lebenspartner vorbeihuscht, weil er fälschlicherweise glaubt, dass du nur telefonierst – das sorgt zwar für zusätzlichen Gesprächsstoff, sollte aber vermieden werden. Noch blöder: wenns gar nicht der aktuelle Lebenspartner ist… ;-)

Achte auf neutralen Hintergrund und wenn er einfarbig ist – nicht zu hell. Das macht deine Hautfarbe blasser als nötig. Sorge dafür, dass kein Gegenlicht in die Kamera fällt, etwa von Fenstern oder Lampen hinter dir.

Als Hintergrund eignen sich etwa ausgewählte Bilder oder ein Rollup mit deinem Firmenlogo. Wenn die Software es unterstützt, so kann man auch mit einem Greenscreen als Hintergrund arbeiten: ein einfarbig grüner oder blauer Hintergrundstoff, den man in der Videokonferenz-Software durch eine beliebige Bilddatei oder ein kurzes Video ersetzen kann. Zoom kann das etwa, der passende Menüpunkt heißt “Virtueller Hintergrund”.

3. Kleidung & Optik

Denke daran: es handelt sich um einen Geschäftstermin! Wenn du dich kleidest wie Pu Bär und vor der Kamera plötzlich aufstehen musst, wirds peinlich. Selbst wenn die Hose bequem und groß gemustert ist – zumindest anhaben sollte man eine.

Achte auf den Kontrast zwischen Kleidung und Hintergrund – das sollte weder zu viel noch zu wenig sein. Vermeide Streifenmuster und Karos, diese können vor der Kamera ein Überlagerungsmuster bilden und so das Bild unangenehm zum “flirren” bringen.

Wenn du einen Greenscreen verwendest, sollte die Kleidung nicht zu ähnlich gefärbt sein, weil die Software sie sonst ebenfalls für Hintergrund hält und ausblendet – sehr irritierende Bilder sind die Folge.

Als Faustregel: schau dir an, welche Art von Kleidung die Sprecher in Nachrichtensendungen tragen. Üblicherweise sind das einfärbige Kleidungsstücke mit deutlichem Kontrast – das funktioniert auch vor der Webcam gut.

4. Akustik

Je näher das Mikrofon an deinem Mund dran ist, umso weniger “Raum” nimmt es auf – das hallt weniger und klingt meist angenehmer. Wenn du das eingebaute Mikrofon im Laptop verwendest, setz dich in einen Raum, der möglichst wenig hallt. Teppiche, Sofa, Vorhänge – all das dämmt den Hall sehr gut.

Es ist in jedem Fall empfehlenswert, für beste Verständlichkeit ein Headset zu verwenden. Selbst das bei einem Handy mitgelieferte Headset ist besser, als gar keines zu verwenden. Ein Headset hält das Mikrofon immer in gleichbleibendem (kurzem) Abstand zum Mund und ermöglicht das Zuhören ohne Ablenkung von außen.

Achte auf die Geräuschkulisse und such dir einen Platz aus, wo die Hintergrundgeräusche möglichst niedrig sind – die anderen Meeting-Teilnehmer werden dankbar dafür sein.

Passe deine Stimme und Sprache der Situation an. Sprich etwas langsamer und deutlicher als sonst. Bei Videomeetings fällt Körpersprache nahezu vollständig weg, somit kannst du deine Inhalte den anderen Teilnehmern nur durch deutliche und klare Sprache gut vermitteln.

5. Beleuchtung

Gute Beleuchtung ist für deine Wirkung sehr wichtig. Das Licht sollte jedenfalls dich ausleuchten, nicht den Raum.

Je näher und flächig größer die Lichtquelle ist, umso besser ist sie für Videokonferenzen geeignet. Man kann daheim etwa eine Schreibtischlampe gegen die Wand leuchten lassen, das ergibt eine sehr große und diffuse Lichtquelle, die sich gut dafür eignet. Auch Fotoleuchten mit Softbox oder LED-Flächenleuchten erfüllen diesen Zweck.

Achte auf gleiche Lichtfarbe und mische die Beleuchtung nicht. Wenn du mehrere Lichtquellen verwendest, dann achte darauf, dass die gleichen Leuchtmittel verwendet werden und verwende z.b. nicht LED-Lampen mit Glühbirnen gleichzeitig. Auch Kunstlicht mit natürlichem Licht etwa vom Fenster vertragen sich nicht gut. Der Weißabgleich der Kamera beginnt dann zu regeln und die Farbstimmung des Kamerabildes ändert sich laufend – und damit auch deine Gesichtsfarbe im Extremfall von knallrot zu hellgrün und wieder zurück.

Im Idealfall hast du für Videokonferenzen immer die gleiche Lichtsituation. Ich verwende z.B. zwei Schreibtischlampen mit gleichem LED-Leuchtmittel, die auf die Wand vor mir gerichtet sind. Das natürliche Licht wird durch Verdunklungsvorhänge ausgesperrt, somit hab ich stets gleiche Bedingungen. Weiters verwende ich ein günstiges Ringlicht oder eine kleinere Flächenleuchte zur Aufhellung, die auf dieselbe Lichtfarbe eingestellt werden.

Der Fotograf und BNI-Kollege Martin Stachl hat ein kostenloses, informatives PDF zusammengestellt, in dem es nur um die richtige Beleuchtung für Online-Meetings geht. Dort sind noch weitere Tipps zum Thema zu finden.

6. Kamera & Verhalten

Sobald du Hintergrund und Beleuchtung entsprechend aufgebaut hast, kannst du die Grundeinstellung deiner Webcam mit der Windows-App “Kamera” erledigen, wo du z.B. die Auflösung der Kamera und die Belichtung einstellen kannst.

Positioniere die Kamera etwas erhöht (leicht oberhalb deiner Augenhöhe) – denn jeder Mensch sieht unvorteilhaft aus, wenn von schräg unterhalb des Gesichts gefilmt wird. Bei Verwendung eines Laptops kann man etwa ein Buch darunterlegen.

Beim Sprechen schau in die Kamera, nicht auf den Bildschirm. So wirkt es tatsächlich so, als würdest du deine Gesprächspartner ansehen und nicht ihnen auf Hals oder die Brust starren.

Du solltest weniger gestikulieren als im echten Leben – die Hälfte der Gesten wird ohnehin durch den begrenzten Blickwinkel der Kamera abgeschnitten und der verbleibende Rest wirkt eher seltsam.

Wenn du den Bildschirm teilst, um eine Präsentation vorzuführen oder den anderen Teilnehmern etwas zu zeigen, dann achte darauf, dass tatsächlich nur das zu sehen ist, was die anderen auch sehen sollen. Irritierende Inhalte von Ordnern oder Lesezeichen zu Porno-Websites haben tatsächlich schon für Job-Kündigungen gesorgt!

Nicht im Bild und trotzdem zu sehen: auch wenn man es im Kamerabild nicht sehen kann, so merkt man dennoch sehr schnell, wenn ein Gesprächspartner während dem Meeting etwas anderes tut als aufmerksam zuzuhören. Das kann das Herumspielen mit dem Smartphone sein oder die Katze, die man krault während man sie am Schoss liegen hat – seltsam aussehen tut das immer.

Konzentriere dich also ausschließlich auf das Meeting und verschiebe alles andere auf später. Je konzentrierter alle sind, umso schneller ist so ein Meeting vorbei.

Wenn das Meeting vorüber ist und du aufstehen oder irgendetwas Privates sagen magst: vergewissere dich, dass deine Kamera und dein Mikro WIRKLICH ausgeschaltet sind!!!

Weiterführende Links

Technik-Empfehlungen:

Mein aktuell verwendetes Technik-Setup:

Viel Erfolg bei deinen Meetings!

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Ernst Michalek
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